Gutachten bei Glasschäden – unabhängig und normgestützt. SIGAB-Dienstleistungen
Wir begutachten jährlich rund 100 Glasschadensfälle in der ganzen Schweiz. Am häufigsten beurteilen wir Glasbrüche und optische Erscheinungen. Dank langjähriger Erfahrung und umfassendem Fachwissen können wir die Ursache in vielen Fällen klar eingrenzen.
Ein Gutachten der SIGAB klärt die Ursache und gibt Empfehlungen ab. Für Bauherrschaften, Planende, Unternehmen und Versicherungen ist es eine neutrale Grundlage, um die Verantwortlichkeit und das weitere Vorgehen zu klären.
Mangel, Schaden oder physikalische Erscheinung?
Nicht jede Auffälligkeit am Glas ist ein Mangel. Wir unterscheiden drei Fälle:
- Mangel: Das Glas oder die Verglasung entspricht nicht dem Vereinbarten oder den anerkannten Regeln der Technik.
- Schaden: Das Glas wurde während oder nach dem Einbau durch ein äusseres Ereignis beeinträchtigt.
- Physikalische Erscheinung: Die Wirkung ist physikalisch bedingt und in der Regel kein Mangel. Ein Beispiel ist Kondensat auf der Aussenseite gut wärmedämmender Isoliergläser.
Massgebend für die Beurteilung sind die Toleranzen der einschlägigen Normen und Richtlinien.
Weiterführend: SIGAB SR-006 «Visuelle Beurteilung von Glas am Bau»
Unsere Gutachten-Themen:
Bruch und äussere Ereignisse
Ein Glasbruch kann viele Ursachen haben: thermische Spannungen (Thermoshock), Kantenverletzungen, Überlastung, Zwängungen durch den Einbau oder ein Spontanbruch durch Nickelsulfid-Einschlüsse in Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG). Bruchbild, Bruchursprung, Bruchverlauf und die Montagedetails zeigen, welche Ursachen in Frage kommen.
Weiterführend: SIGAB SR-103 «Thermische Beanspruchung von Glas», SIGAB SR-203 (ESG-H / Heat-Soak-Test)
Hagel, Sturm oder Schneelast können Verglasungen beschädigen. Wir beurteilen, ob ein Glasbruch oder eine Beschädigung der Oberfläche tatsächlich auf ein Naturereignis zurückgeht. Das ist oft entscheidend für die Abwicklung mit der Versicherung.
Stösst eine Person, ein Fahrzeug oder ein Gegenstand gegen eine Verglasung, stellt sich neben der Schadensursache oft eine zweite Frage: Hat das Glas die geforderte Sicherheit erfüllt? Wir prüfen den Glasaufbau und bestimmen dadurch die vorhandenen Gefährdungen.
Weiterführend: SIGAB SR-002 «Sicherheit mit Glas – Anforderungen an Glasbauteile»
Oberfläche und Optik
Kratzer entstehen bei der Herstellung, beim Transport, vor allem aber auf der Baustelle und bei der Reinigung, etwa durch ungeeignete Werkzeuge oder verschmutzte Reinigungsmittel. ESG ist dabei deutlich kratzempfindlicher als Floatglas, Verbund-Sicherheitsglas (VSG) oder teilvorgespanntes Glas (TVG). Ob Verkratzungen zulässig sind, hängt von Länge, Anzahl, Lage und von der Störung in der Durchsicht ab.
Weiterführend: SIGAB SR-006, SIGAB SR-102 «Glasreinigung»
Beim Trennschleifen, Schleifen oder Schweissen in der Nähe von Verglasungen fliegen glühende Partikel auf das Glas und brennen sich in die Oberfläche ein. Diese Trennschleiferpunkte (Funkenflug, Schweissperlen) lassen sich nicht rückstandsfrei entfernen. Sie stellen einen typischen Schaden durch Arbeiten auf der Baustelle dar.
Farb- und Reflexionsunterschiede zwischen einzelnen Scheiben haben verschiedene Ursachen: unterschiedliche Produktionschargen beschichteter Gläser, abweichende Glasdicken oder Glasaufbauten. Wir beurteilen, ob die Abweichung innerhalb der zulässigen Toleranzen liegt.
Weiterführend: SIGAB SR-006
Feuchtigkeit und Materialien
Kondensat ist je nach Lage unterschiedlich zu beurteilen:
- Aussen: Tritt vor allem morgens nach klaren Nächten auf und ist kein Mangel, sondern ein Zeichen guter Wärmedämmung (tiefer Ug-Wert).
- Raumseitig: Meist bedingt durch hohe Raumluftfeuchte, ungenügendes Lüften oder kalte Randbereiche bzw. zu schwache Wärmedämmung.
- Im Scheibenzwischenraum (SZR): Deutet auf einen undichten Randverbund hin und ist in der Regel ein Mangel resp. ein Schaden, der nur mit dem Ersatz behoben werden kann. Hier lohnt es sich, vor einem Ersatz die Ursache zu hinterfragen, etwa eine dysfunktionale Entwässerung oder eine Materialunverträglichkeit.
Kantenverletzungen wie Ausmuschelungen schwächen das Glas und sind häufig der Ausgangspunkt eines späteren Bruchs. Wir beurteilen die Kantenausführung und die Zulässigkeit der festgestellten Verletzungen. Delaminationen bei Verbund-Sicherheitsglas (VSG) zeigen sich in erster Linie als optische Erscheinungen entlang der Kanten.
Weiterführend: SIGAB SR-006
Dichtstoffe, Verklotzung, Folien, Beschichtungen und Randverbund müssen zueinander passen. Unverträglichkeiten, etwa durch Weichmacherwanderung, oder dauerhafte Feuchtigkeit an den Kanten zeigen sich oft erst nach Monaten oder Jahren. Mögliche Folgen sind Delamination, Verfärbungen oder ein undichter Randverbund. Wir klären bei Bedarf mit externen Laboratorien ab, welche Materialien beteiligt sind und ob eine Unverträglichkeit vorliegt.
Manche Effekte sind physikalisch bedingt und kein Mangel. Dazu gehören Interferenzen, der Doppelscheiben- resp. Isolierglaseffekt (gewölbte Scheiben durch Luftdruck- und Temperaturänderungen) und Anisotropien (z.B. Leoparden-Muster) bei vorgespannten Gläsern.
Auch die Benetzbarkeit der Glasoberfläche kann örtlich unterschiedlich sein, etwa durch Abdrücke von Saugern, Etiketten oder Dichtstoffen. Solche Unterschiede werden erst sichtbar, wenn die Scheibe feucht ist, zum Beispiel bei Kondensat oder Regen.
Weiterführend: SIGAB SR-006
Auch ohne Schadensfall prüfen wir Verglasungen im Auftrag, zum Beispiel vor der Abnahme oder bei Bedenken der Bauleitung resp. Bauherrschaft nach der Abnahme. Wir beurteilen die relevanten Parameter und halten das Ergebnis nachvollziehbar fest. Manchmal reicht eine globale Beurteilung, manchmal dokumentieren wir positionsweise alle beurteilten Gläser.
Vorbeugen statt begutachten
Viele Schäden lassen sich schon in der Planung vermeiden. In unserer Beratung beurteilen wir Glasanwendungen und geben Empfehlungen zu passenden Glasaufbauten ab, unter Berücksichtigung von Sicherheit und sonstigen Anforderungen. Mit der Glasstressanalyse können wir in der Planung das Risiko thermischer Glasbrüche beurteilen.